Der Landtag
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Haus des Landtags

GlaskonstruktionWandelhalle

Das neue Haus des Landtags Nordrhein-Westfalen wurde am 2. Oktober 1988 feierlich eingeweiht. Dem Gebäude liegt eine außergewöhnliche architektonische Konzeption zugrunde.

Den Beschluß, einen Neubau zu errichten, fasste der Hauptausschuß des Landtags in seiner Sitzung am 30. April 1981.


Kunst am Bau



Aus einem bundesweiten Wettbewerb mit 58 eingereichten Entwürfen gingen die Architekten Eller, Maier, Walter und Partner einstimmig als erste hervor.
Damit war für Nordrhein-Westfalen die Möglichkeit eröffnet, ein Gebäude zu erstellen, das von vornherein als Parlamentsgebäude konzipiert und vom Parlament selbst maßgeblich beeinflußt werden konnte - in der Geschichte der Parlamentsbauten eine große Seltenheit.
Das Vorhaben verlangte eine intensive Auseinandersetzung mit dem, was ein Parlament heute ausmacht. Parlamentarischer Alltagsbetrieb sollte in den Gebäuden ihren sichtbaren Ausdruck finden.
 

Dieses wird bei dem neuen Gebäude erreicht, indem Ausgangspunkt jeder Formgebung der kreisrunde Plenarsaal ist, dieser für das parlamentarische Geschehen in jeder Beziehung dominante Raum.  Die Ausgestaltung des Abgeordnetenbereichs, der Fraktionen, Ausschüsse und Arbeitskreise und die Funktionalität und Zuordnung zum Plenum stellen sicher, daß das Parlament nicht zu einem «Plenarsaalparlament der Honoratioren und der Amateure» wird, sondern zusammen mit der integrierten Parlamentsverwaltung dem Profil und der Arbeit des Abgeordneten unserer Zeit gerecht werden kann. Dieser Gedanke wird in der Offenheit des Gebäudes gegenüber den Bürgern konsequent fortgesetzt. Wenn ein wesentliches Element von Parlament und Demokratie die Öffentlichkeit ist, dann ist diese ein weiteres geeignetes Merkmal, die Sinnhaftigkeit des Gebäudes als Parlament unverwechselbar augenfällig werden zu lassen. Öffnung nach außen besagt aber mehr als nur die Verwendung von Glas im Fassaden- und Eingangsbereich und die Durchsicht durch das Gebäude bis in die Rheinaue. Sie verlangt vielmehr, daß dem Besucher und Beobachter das parlamentarische Geschehen nicht verborgen bleibt.

 Dachkonstruktion Besucherfahrstuhl

Ein gläserner Besucheraufzug mit Einblick in das Haus, die Durchsicht von den Umgängen in den Plenarsaal oder die Zuordnung von Informationszentren sind nur Beispiele des Versuchs, die Abläufe und den parlamentarischen Alltag vor dem Betrachter nicht zu verbergen. Andererseits wurde jedoch der Versuchung widerstanden, auch dort Transparenz zu suggerieren, wo sich die vorbereitende Arbeit des einzelnen Abgeordneten und der Fraktionen unter Ausschluß der Öffentlichkeit vollzieht: Abgeordnetenbüros, Fraktions- und Verwaltungsbereiche finden die notwendige Differenzierung.


Blick auf den Rhein und den Landtag

Die Einbindung des neuen Parlamentsgebäudes in das Stadtbild sowohl nach Lage als auch äußerer Gestaltung geben weiteren Aufschluß über das Parlamentsverständnis in der Gegenwart. Keine kapitolinische Anlage mit Kuppelbau, sondern eingebettet in einen Bürgerpark und damit stadtplanerisch integriert in die Stadt, präsentiert sich der Landtag als Bürgerhaus, zugänglich und bürgernah. Die zurückhaltende Fassadengestaltung in Sandstein fügt sich in die Tradition öffentlicher Bauten in Düsseldorf ein, und die Verwendung von Kupfer signalisiert nach den Vorstellungen der Architekten Tradition und Dauer.

Diese wenigen Hinweise machen bereits deutlich, daß der Neubau in Nordrhein-Westfalen sowohl in Formgebung und Gestaltung, Funktionalität, Öffentlichkeit und Infrastruktur bis hin zur Organisation des Baugeschehens unverwechselbar ein Parlamentsgebäude signalisiert. Der so erreichte Symbolcharakter des Gebäudes läßt die Hoffnung zu, daß mit dem Neubau - neben den dringend notwendigen Verbesserungen der Arbeitsbedingungen - der Parlamentsgedanke und unsere heutige Auffassung von dem, was Parlament ist, nachdrücklich architektonischen Ausdruck gefunden haben. Der neue Landtag könnte damit ein wichtiges Identifikationsmerkmal für die Bürger Nordrhein-Westfalens mit diesem Lande werden. Es wäre wünschenswert, wenn im Bewußtsein der Bürger dieses Landes deutlich würde, daß hier kein Haus «dem Volke» erbaut wurde, wie es auf der Inschrift am Berliner Reichstagsgebäude zu lesen ist, sondern ein Haus, in dem sich die Bürger dieses Landes selbst präsentieren.
 


 

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